26. März 2015 – 25. April 2015

Keramik Preise 2015

Seit 1989 gibt es den Keramikpreis des Landes Salzburg, seit 1993 wird er österreichweit ausgeschrieben. Dieses Jahr wird er zum 10. Mal vergeben.

Zusätzlich zum Preis (6.000,-) gibt es auch zwei Stipendien (je 2.500,-).
Teilnahmeberechtigt sind Künstlerinnen und Künstler, die in Österreich geboren sind oder seit mindestens fünf Jahren in Österreich leben. Die Künstler*innen sollten sich vorrangig mit keramischen Werkstoffen auseinander setzen und Arbeiten aus Keramik (oder Porzellan, Ton, Lehm …), auch in Kombination mit anderen Materialien schaffen und diese für die Salzburger Keramik-Preise vorlegen.

In einem ersten Jurydurchgang werden anhand von Katalogen, Fotografien und anderem Dokumentationsmaterial 10 bis 15 Positionen ausgewählt, die dann eingeladen werden, für die Ausstellung im Traklhaus Originale zu senden. Diese Anwärter*innen-Ausstellung zeigt einen Einblick in das aktuelle Schaffen in Österreich.

In der Ausstellung trifft die Jury ein zweites Mal zusammen und entscheidet anhand der Originale, welche Künstler*innen für die Auszeichnungen vorgeschlagen werden.
Die Preisverleihung ist am 24. März angesetzt. Zu dieser Übergabe wird auch der Katalog, der alle Arbeiten der Ausstellung dokumentiert, fertig gestellt. Diese Publikation wird mit Unterstützung des Bundeskanzleramtes herausgebracht.

Offizielle Termine

Preisverleihung und Katalogpräsentation: Dienstag, 24. März, 19:00 Uhr

Gewinner: Frank Louis
Anerkennungspreise: Andreas Vormayr und Daniel Wetzelberger

Gerold Tusch anlässlich der Ausstellungseröffnung

17 Namen und zahllose Verben – Positionen in der österreichischen Keramik

Künstler mit einem Background von London über Berlin, Istanbul und Wien bis Hartberg, Wartberg oder Feldkirch – für Salzburg verpackt in ein alphabetisches Wortspiel

AB wie Andrea Baumann schichtet Schalen ineinander – schüsselt „Goldrandschale“ an „Goldrandschale“ und zeigt Spuren ihrer feinfühligen Hände am hauchdünnen Material.

C wie Canan Dagdelen untersucht die Bildwelt ihrer türkischen Heimat, baut und stapelt Gebäude im keramischen Modellformat und variiert Punkte in Form von Kreis und Kugel als bild¬nerische Minimaleinheit zu verdichteten Text und Bildformationen – „YURT TUTMUSCH dot“. (- anderswo die Zelte aufschlagen).

D wie Doris Dittrich schafft mit kubischen Körpern Stelen für die „Gods of Technology“ – die scheinbaren Kultbilder gewähren Durchblicke und tragen Einprägungen aus der technischen Welt.

E

Martina Funder fügt in keramischer Tradition Element an Element und spannt zwischen den Werken gedankliche Brücken vom schweren „Inka-Mauer“-Werk über eine nur scheinbar weiche Matratze zum Back-Stein vor der Wand.

Verena Gaudy gibt meditativ geschlossenen einfachen Körpern individuelle Formen – im strengen Raster zu durchlässigen „Zeitzündern“ perforiert.

Wilfried Gerstel changiert mit traumwandlerischer Leichtigkeit und handwerklichem Understatement im „Pas de Deux“ mit seinen dunklen keramischen Wandtafeln zwischen einem Memento mori und dem Carpe diem und reflektiert so über den Moment und die Unfassbarkeit der „Dreifaltigkeit“.

Regina Heinz kachelt weiße Wand, in „Reflection“ – Licht gewellt, leicht gewölbt – sich wiederholendes Modul – wohl gefügt.

Monika Holzbauer spiegelt die ganze Welt in ihren „Reliefs“ von Landschaften und Bauwerken und benutzt das bildsame Material um die Tiefe der Landschaft zurückzuholen ins zimmergerechte Taschenformat.

IJ

Matthias Kaiser glänzt metallisch in seinen spielerischen Kleinodien – „copper cup“ oder „black cracked slip wall vase“ – Gefäße in der Sprache der klassischen Töpferei, geistreich ironisch und humorvoll variiert ohne Angst vor dem Keramischen.

Ute Lehmann gibt Einfällen Beinfreiheit, erzeugt fast filmische Vorstellungen vom gestalterischen und keramischen Prozess, ordnet und visualisiert Ideen in unterhaltsamer Bilderzählung und schlägt am „Objektträger“ schließlich die Beine übereinander.

Frank Louis schnallt Wolken mit Flugsicherheitsgurten an die Wand, verzurrt so manches Werk im unerwarteten Setting und gibt mit Griffen und Henkeln Halt für Bewegung gegen den „Stillstand“ der informellen Formationen.

Maria Meusburger-Schäfer witzelt, ver-wechselt und wärmt Leonardos Dame mit Wärmeflasche anstatt Hermelin, deckelt Ytongdosen mit geliehenem Couvercle – „einem Teil vom Ganzen“ aus fremdem Schrank und anderer Zeit.

NOP

Wolfgang Quast ritzt „Codes“ in weichen Ton – grafisch zarte Spuren, die Farbe sparsam auf den dünnen Platten, wie schwebend an die Wand geblättert.

Marta Rauch-Debevec und Sebastian Rauch pressen semi-transparente Ton-Elemente, als gebrannte Zeichen im endlosen Rapport gefügt – ein Ornament, abstrakt und geometrisch – so verheißungsvoll wie Gitter am Serail ist „TaOK“ von KARAK.

STU

Andreas Vormayr platziert pointiert biomorphe „Bodenobjekte“ – Vasen groß und kraftvoll erigiert – mit selbstgemischter Lavaglasur, nahe am Vulkan – detailliert dokumentiert.

Heidrun Weiler begibt sich auf der fotografischen und philosophischen Suche nach dem verlorenen Handschuh „gloveless“ zurück ins Atelier, um den fehlenden zwei-ten dort aus Ton neu zu er-finden – doch selbst wiedergefundene Zeiten und Hand-schuhe zeigen, dass wir in der Zeit niemals zurück können…

XY

Daniel WetZelberger leistet „Knochenarbeit“ im wörtlichen Sinn und formt mit wenigen, sehr keramischen, Handgriffen ein Sortiment scheinbarer menschlicher Überreste, – sortiert und arrangiert sie zu einem Bild von der Banalität physischer Existenz, von ihrer Poesie und (zu guter Letzt) von ihrer Endlichkeit.

Schluss – Endlich

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Louis Frank, Cumulus Mediocris, Steinzeugton, Glasur, Flugzeuggurte, 52x91x22 cm (3x) © Louis Frank
www.gerdaeichholzer.com
Andrea Baumann, Goldrandschalen, 2015, Porzellan, Ø 5 – 50 cm © Andrea Baumann
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Doris Dittrich, God of Technology, 2014, Ton glasiert, 47 x 18 x 11,5 cm © Doris Dittrich
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Martina Funder, Inka Mauer, 2014, Steinzeugton glasiert, 34 x 149 x 4,5 cm © Martina Funder
Verena Gaudy, „Zeitzünder“ aus der Serie „Zeit“, 2014, Aufbautechnik, je ca. 17 cm x 20 cm x 20 cm © Verena Gaudy
Verena Gaudy, „Zeitzünder“ aus der Serie „Zeit“, 2014, Aufbautechnik, je ca. 17 cm x 20 cm x 20 cm © Verena Gaudy
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Wilfried Gerstel, Pas de Deux, 2012, gebrannter Manganton, Ölfarbe, 28,5 x 35 x 3,5 cm © Wilfried Gerstel
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Regina Heinz, Reflection, 2014, Schlickerguss, 205 x 175 x 3 cm © Regina Heinz
Jens Preusse
Matthias Kaiser, hikidashi guro coffee mug, 2015, Steinzeugton, Glasur aus Holzasche und Eisenerz, Höhe 6 cm © Mathias Kaiser, Foto: Jens Preusse
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Ute Lehmann, Objektträger, 2003, Schamottierter Manganton, Plexiglas, 63 x 64 x 32,5 cm © Ute Lehmann, Foto: U. Ghezzi
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Andreas Vormayr, Bodenobjekt 4, 2013, Steinzeugton glasiert, 60 x 14 x 14 cm © Andreas Vormayr
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Heidrun Weiler, aus der Serie gloveless, 2012- 2015, Ton gebrannt, ca. 25 x 13 cm © Heidrun Weiler
Otto Wieser
Canan Dagdelen, YURT TUTMUSCH dot, 2004, weißer Ton, Engobe, Lehm, 162 x 97 x 11 cm © Canan Dagdelen, Foto: Otto Wieser
Otto Wieser
Marta Rauch-Debevec/Sebastian Rauch, TaOk, 2011, Ton in Form gepresst gebrannt bei 1000°, 230 x 80 x 5 cm © Marta Rauch-Debevec/Sebastian Rauch, Foto: Otto Wieser
Otto Wieser
Daniel Wetzelberger, Knochenarbeit, 2012, Ton, modelliert, 1080°; ca. 300 x 400 cm © Daniel Wetzelberger, Foto: Otto Wieser
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Wolfgang Quast, CODES, 2014, Ton gerillt, teilweise glasiert, 9 teilig, je 19 x 19 x 3 cm © Wolfgang Quast